Die Häufigsten Fehler Beim Versicherungsabschluss Vermeiden
Der Versicherungsabschluss ist eine der wichtigsten finanziellen Entscheidungen, die wir treffen. Doch viele von uns gehen diesen Schritt zu leichtfertig an – mit erheblichen Konsequenzen. Wir machen Fehler, die im Schadensfall teuer zu stehen kommen können. Eine falsch gewählte Versicherungsart, zu niedrige Deckungssummen oder wichtige Ausschlüsse, die wir übersehen haben – solche Probleme entstehen oft durch mangelnde Aufmerksamkeit beim Abschluss. In diesem Ratgeber zeigen wir euch die häufigsten Fehler beim Versicherungsabschluss und wie ihr sie vermeiden könnt. Denn mit den richtigen Informationen und ein wenig Aufmerksamkeit lässt sich ein Großteil dieser Fallstricke einfach umgehen.
Falsche Versicherungsart Wählen
Der erste und häufigste Fehler beim Versicherungsabschluss ist die Wahl der falschen Versicherungsart. Viele Menschen schließen eine Versicherung ab, ohne sich wirklich zu fragen, ob sie die richtige für ihre Situation ist.
Stellt euch vor, ihr habt einen alten Wagen, dessen Neuwert gerade noch 3.000 Euro beträgt. Wenn ihr dafür eine Vollkaskoversicherung abschließt, zahlt ihr oft deutlich mehr als notwendig – besonders bei älteren Fahrzeugen kann eine Teilkasko ausreichend sein. Umgekehrt ist es fahrlässig, einen teuren Neuwagen mit nur einer Haftpflicht zu versichern.
Wir sehen dieses Muster auch bei Krankenversicherungen. Private Krankenversicherung klingt attraktiv, passt aber nicht für jeden. Freiberufler mit regelmäßigen, hohen Einkommen profitieren davon. Ein Angestellter mit kleinem Gehalt ist in der gesetzlichen Versicherung besser aufgehoben.
Überlegt euch vor dem Abschluss:
- Welche Risiken braucht ihr wirklich abzudecken?
- Wie ist eure finanzielle Situation?
- Wie hoch ist eure Risikobereitschaft?
- Welche Versicherungen sind gesetzlich vorgeschrieben (wie Haftpflicht)?
Nehmt euch Zeit für diese Überlegungen. Die falsche Wahl kostet euch entweder unnötige Prämien oder lässt euch im Schadensfall ohne ausreichenden Schutz stehen.
Deckung Nicht Überprüfen
Viele von uns schauen sich die Versicherungsbedingungen an und denken: “Das reicht doch.” Aber die Details sind entscheidend.
Zu Niedrige Versicherungssummen
Nehmen wir als Beispiel die Haftpflichtversicherung. Eine Deckungssumme von 300.000 Euro klingt vielleicht ausreichend. Aber was, wenn ihr jemanden schwer verletzt und Schadensersatz von einer Million Euro gefordert wird? Das kann passieren – bei Berufsunfähigkeit oder längerfristigen Behandlungskosten.
Wir empfehlen folgende Mindestdeckungen:
| Haftpflicht (Privat) | mind. 5 Millionen Euro |
| Berufsunfähigkeit | 60-80% des Nettoeinkommens |
| Hausratversicherung | Neuwert des Inventars |
| Gebäudeversicherung | Wiederherstellungswert |
Üerschätzt nicht eure Intuition hier. Nutzt eine Checkliste und rechnet konkrete Zahlen durch.
Ausschlüsse und Einschränkungen Ignorieren
Ausschlüsse sind die versteckten Fallen in Versicherungspolicen. Sie definieren, wann die Versicherung NICHT zahlt. Und oft sind diese Ausschlüsse entscheidend.
Bei einer Reiseversicherung zum Beispiel: Sie deckt oft keine Reisen ab, die bereits geplant waren, als die Corona-Pandemie bekannt wurde. Eine Haftpflichtversicherung zahlt nicht für Schäden, die durch Vorsatz entstanden sind. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung hat häufig Ausschlüsse für psychische Erkrankungen – obwohl diese heute einer der häufigsten Gründe für Berufsunfähigkeit sind.
Lest die Bedingungen wirklich durch. Fragt den Berater gezielt nach Ausschlüssen. Schreibt alle wichtigen Ausschlüsse auf und überlegt, ob ihr mit ihnen leben könnt.
Angebote Nicht Vergleichen
Es gibt tausende Versicherungsangebote. Die Prämien unterscheiden sich für identische Leistungen um 200 bis 300 Prozent – das ist keine Übertreibung.
Wir haben gesehen, wie Kunden für die gleiche Hausratversicherung 150 Euro bei Anbieter A und 450 Euro bei Anbieter B zahlten. Die Deckung war praktisch identisch. Das ist schlicht verschwendetes Geld.
Wenn ihr Angebote vergleicht, achtet auf diese Punkte:
- Gleiche Leistungen voraussetzen: Vergleicht nicht Äpfel mit Birnen. Die Deckungssummen, Selbstbehalte und Ausschlüsse müssen identisch sein.
- Mehrere Angebote einholen: Mindestens drei bis fünf Angebote, besser noch mehr.
- Nicht nur auf den Preis schauen: Ein billiger Anbieter mit schlechtem Service und langen Bearbeitungszeiten im Schadensfall ist am Ende teuer.
- Versicherungsmakler nutzen: Sie haben Zugang zu vielen Anbietern und können euch helfen, wirklich vergleichbare Angebote zu bekommen.
Die Zeit, die ihr in einen gründlichen Vergleich investiert, zahlt sich oft Jahr für Jahr aus – durch niedrigere Prämien oder bessere Leistung.
Versicherungsbedingungen Nicht Lesen
Ja, Versicherungsbedingungen sind ein Dschungel aus Paragraphen und Fachbegriffen. Nein, das ist keine Entschuldigung, sie nicht zu lesen.
Wir wissen, dass das zeitaufwendig ist. Aber die Konsequenzen von Unwissenheit sind ernst. Im Schadensfall stellt ihr fest, dass wichtige Details anders sind als erwartet. Und dann ist es zu spät.
Hier ist, wie wir euch empfehlen vorzugehen:
- Die Zusammenfassung der Versicherungsbedingungen lesen: Das ist meist kürzer und verständlicher.
- Kern-Passagen markieren: Was zahlt die Versicherung? Was nicht? Was muss ich tun im Schadensfall?
- Konkrete Fragen stellen: Wenn etwas unklar ist, fragt nach. Der Berater sollte es euch erklären können.
- Alles Wichtige schriftlich festhalten: Besondere Vereinbarungen oder Klarstellungen sollten schriftlich bestätigt werden.
- Jährlich erneut überprüfen: Policies ändern sich. Was vor zwei Jahren galt, gilt heute vielleicht nicht mehr.
Eine Stunde Zeit beim Abschluss spart euch Wochen Ärger und möglicherweise tausende Euro im Schadensfall.
Unvollständige Angaben bei der Antragstellung
Die Fragen im Versicherungsantrag mögen pedantisch wirken. Aber sie sind nicht optional – sie sind fundamental.
Wenn ihr bei der Krankenversicherung eure chronischen Krankheiten verschweigt, kann die Versicherung im Schadensfall zahlen verweigern. Das ist keine Böswilligkeit – es ist Vertragsschutz. Die Prämie hätte anders kalkuliert werden sollen.
Das Gleiche gilt für die Berufsunfähigkeitsversicherung: Wenn ihr verschweigt, dass ihr bereits Rückprobleme habt, kann die Versicherung später argumentieren, dass sie euch unter falschen Voraussetzungen versichert hat.
Wir sehen regelmäßig diese Fehler:
- Unvollständige Angaben zur Krankengeschichte: Ihr findet eine alte Diagnose unbedeutend – die Versicherung sieht das anders.
- Falsche Informationen zu Beruf und Einkommen: Das hat direkte Auswirkungen auf die Prämie und Deckung.
- Ausgelassene Informationen über Hobbys: Wenn ihr Fallschirm springt und das nicht angeben, kann es teuer werden.
- Unrichtiges Alter oder Adresse: Auch “kleine” Fehler können Probleme verursachen.
Lest jeden Punkt des Antrags sorgfältig durch. Wenn ihr unsicher seid, ob etwas relevant ist – gebt es an. Es ist besser, zu viel Informationen zu geben als zu wenig. Und bewahrt eine Kopie eures Antrags auf, damit ihr später nachweisen könnt, was ihr angegeben habt.
Regelmäßige Überprüfung Vernachlässigen
Nach dem Abschluss vergessen viele von uns die Versicherung – bis ein Schadensfall eintritt. Das ist ein großer Fehler.
Eure Lebenssituation ändert sich ständig. Ihr heiratet, bekommt Kinder, kauft ein Haus, wechselt den Job. Eure Versicherungen sollten mit euch wachsen.
Überlegt euch: Eine Hausratversicherung von vor fünf Jahren deckt vielleicht einen neuen Fernseher im Wert von 2.000 Euro nicht richtig ab, wenn die Deckungssumme nicht angepasst wurde. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung mit einer Rente, die vor zehn Jahren abgeschlossen wurde, passt vielleicht nicht mehr zu eurem aktuellen Einkommen.
Wir empfehlen folgendes Überprüfungs-Ritual:
Jährlich (im Januar oder nach größeren Lebensveränderungen):
- Überprüft, ob sich eure Lebenssituation geändert hat
- Vergleicht aktuelle Angebote mit eurer bestehenden Police
- Prüft, ob die Deckungssummen noch angemessen sind
Alle 2-3 Jahre:
- Lest die Bedingungen erneut durch (Änderungen sind möglich)
- Überprüft, ob es bessere Angebote gibt
- Erkundigt euch nach neuen Rabattmöglichkeiten
Und wenn sich etwas Großes ändert – ein Jobwechsel, Hochzeit, Kauf einer Immobilie – informiert euren Versicherer sofort. Ihr könnt auch spinsy login nutzen, um online schnell eure Daten zu aktualisieren, falls euer Versicherer diesen Service anbietet.
Viele Versicherer bieten heute auch Apps an, über die ihr eure Versicherungen verwalten könnt. Nutzt diese Möglichkeiten. Es kostet keine Extra-Zeit und schützt euch vor bösen Überraschungen.